Schottland – Scapa Flow 2018

Auf den Spuren vergangener Geschichten – Eine Zeitreise der ganz besonderen Art.

10 Abenteurer machten sich im Mai 2018 auf die Suche nach Geschichten der Vergangenheit. In Scappa Flow, einem der wichtigsten Stützpunkte der deutschen Kriegsflotten sowohl im 1. wie auch im 2. Weltkrieg, wurden wir fündig. Denn hier befindet sich ein Paradies für Wracktaucher.

Geschichte:
Fast 100 Jahre sind vergangen, seit die deutsche Kriegsflotte nach dem 1. Weltkrieg am 21. Juni 1919 dem Untergang verschworen wurde. Und es war nicht ein kriegerischer Akt während einer Schlacht, welcher die Schiffe versenken lies, nein – der Konteradmiral Ludwig von Reuter wollte es mit allen Mitteln verhindern, dass seine kaiserlichen Schiffe den alliierten Truppen in die Hände fielen, und so gab er noch vor dem Mittag an diesem ehrwürdig, geschichtsträchtigen Tag den Befehl, die gesamte Kaiserliche Flotte zu versenken.
Nicht weniger als 24 Schlachtschiffe und mehr als 50 Torpedoboote fanden bei der Selbstversenkung den Weg auf den Meeresgrund der heute noch denkwürdigen Bucht von Scapa Flow, welche sich in mitten der nordischen Orkney Island von Schottland befindet.
Heute sind noch 7 Schiffe für Taucher zugänglich.

Die Reise:
Die mutige Truppe unserer unerschrockenen Taucher machte sich am frühen Freitagmorgen auf den Weg. Nach zwei kurzen Flügen ab Zürich via Amsterdam nach Inverness wurde unsere Truppe von zwei weiteren Abenteurern, Adrian und Sam, mit 2 Kleibussen am Flughafen empfangen. Unsere 5 stündige Fahrt in den schönen und äusserst interessanten Norden Schottlands führte uns entlang der Küste bis nach Scrabster, einem kleinen Ort an der Küste, wo bereits die Fähre auf uns wartete. Unsere Reise endete schliesslich in Stromness wo unser Tauchboot, ein altes Fischerboot das zum Liverboard umgebaut wurde, seinen Heimathafen hat. Die M.V. Invincible wurde für eine Woche unser Zuhause.

«Das angenehmste an unserer Reise war es, dass wir direkt auf den Tauchboot geschlafen haben, so dass das Schiff am Morgen losfahren konnte, während die ganze Gruppe noch gemütlich im Bett lag» meint unser Anführer Sam von Rotz «der startende Motor morgens um 08:00 Uhr wurde liebevoll der ‘Kollektiv-Wecker’ genannt» hat er noch ergänzt.

Nach zwei spannenden Tauchgängen jeweils am Vormittag waren wir dann nach dem Mittagessen, welches während der Rückfahrt auf dem Schiff eingenommen wurde, täglich so gegen 13:30 Uhr zurück im Hafen, so dass wir am Nachmittag die anderen, beeindruckenden Geschichten des schottischen Nordens entdecken und erleben konnten.

Ein weiteres Highlight der Schotten ist zweifelsohne das Essen. Nicht besonders gesund aber unglaublich lecker. Die kulinarischen Höhenflüge genossen wir täglich in einem anderen Pub in Stromness oder Kirkwall. Ob Rib Eye Steak, Haggis oder Käse-Maggaroni – die Speisekarten waren voll von nahrhaften und äusserst guten Speisen und hatten für jeden etwas zu bieten.

Ausserdem wurden wir fast die ganze Woche mit traumhaftem Wetter verwöhnt. Im Mai so hoch im Norden im T-Shirt auf der Sonnenterrasse ein Bier zu trinken, das ist doch eher aussergewöhnlich.

Das Tauchen:
Hier im hohen Norden Schottlands werden einzigartige Geschichten erzählt. Sie sind voller Spannung, mystisch und vor allem weiss der «Zuhörer» – hier werden wahre Geschichten längst vergangener Zeiten erlebt. Jedes der zu betauchenden Wracks ist so unglaublich spannend zu entdecken und erforschen, dass dir fast der Atem wegbleibt.

Wenn du deinen ersten Tauchgang in Scapa Flow machen kannst, weisst du zuerst gar nicht recht, was hier geschieht. Du tauchst an den speziell befestigten Leinen sanft in die Tiefe dieser entzückenden Bucht. Hier kann doch keine Kriegsflotte begraben liegen, denkt sich der neugierige Taucher während seinem Abtauchen in die Geschichte der Weltkriege. Doch dann, plötzlich siehst du die Silhouette des Wracks, es kommt gemächlich näher – erste Spuren der letzten 100 Jahre auf dem Meeresgrund werden deutlich und im ersten Moment ist dir nicht klar, wo nun das Heck, der Bug, Backboard oder Steuerboard ist. In seiner gewaltigen Pracht, grösser als du es dir je hättest vorstellen können, liegt es sanft schlafend im schlickig-, sandigen Grund von Scappa Flow – es ist der Moment, wo du deinen Augen nicht traust. Mehrere hundert Meter ist sie lang, eine Weite die du gar nicht erfassen kannst. Und plötzlich schaut sie dich an, die alte Kriegskanone. Gewaltig, geschichtsträchtig – voller Angst, Demut und mit dem Bewusstsein, was sie in ihrer Zeit angerichtet hat, schaust du direkt in den gewaltigen, mit Stahl ummantelnden Lauf und du weisst genau, sie wurde nur zu einem einzigen Zweck erbaut – zu vernichten.

Wer hier nicht vor Staunen umfällt, den können wir nicht verstehen. Dabei ist sich die ganze Truppe einig. Die Geschichten, die uns hier erzählt wurden, sind so einmalig.

Doch wir konnten nicht nur um die geschichtsträchtigen Wracks tauchen, ein weiteres Top-Taucherlebnis war es, als wir zusammen mit den Seals (Seelöwen) tauchen konnten. Neugierig, flink und unglaublich herzig waren sie, die etwas pummeligen Wasserratten. «Einer hat mir sogar in die Flossen gebissen» meinte Adrian Steger lachend «wenn’s ihm geschmeckt hat».
Ein Erlebnis das kaum einer von uns missen möchte. Auf eine solche Begegnung wartet so mancher Taucher sein Leben lang.

«Du kannst hier weit oben in Schottland Sachen erleben, die du nur erlebst, wenn du deine Komfortzone etwas verlässt und dich dem Tauchen im kühleren Wasser widmest – “Was wir hier erleben durften, das haben die Malediven definitiv nicht zu bieten» Diese Aussage machte Martin Schärer, einer unserer unerschrockenen Abenteuer.

Schwierigkeitsgrad und benötigte Taucherfahrung:
Wir sind uns einig, Scappa Flow solltest du nicht als erstes auf deine To-Dive-Liste setzten, wenn du das Tauchen frisch erlernt hast. Nicht weil es das nicht wert ist, sonder weil es doch ein wenig Taucherfahrung erfordert. Die Wracks liegen alle relativ Tief – meist ab 20 bis ca. 40 Meter – und sowohl die Sicht kann etwas eingetrübt sein wie auch die Temperaturen sind mit ganzjährig zwischen 8 – 12 Grad eher etwas für hartgesottene Trockentaucher. Auch die Tatsache, dass die Grundzeit schon mal zu Ende sein kann, bevor du das ganze Wrack fertig betaucht hast und somit einen Aufstieg im Freiwasser machen musst, erfordert die eine oder andere Taucherfahrung zuvor.
Was bei allen Wracks immer wichtig sein wird ist es, eine gute Tarierung zu haben und so diese nicht zu beschädigen oder Sedimente aufzuwirbeln.

Abschluss:
Wir waren unglaublich begeistert, was wir hier erleben durften. Wir werden unsere «Zeitreise der ganz besonderen Art» bestimmt nicht so schnell vergessen. Und bei unserer nächsten Reise in den Norden der Schotten, wann immer das auch sein wird, wird bestimmt der eine oder andere unserer Gruppe wieder mit dabei sein.

Wenn Engel Reisen –
ein schönes Fazit für unser Abenteur.

Teilnehmer:
Sam von Rotz, Adrian Steger, Martin Schärer, Jacques Hartmann, Martina Kampe, Stephan Meister, Dave Hügli, Marcel Sigg, Markus Born, Erich Bloch.

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